Startseite
Schiffsmodellbau
Frühere Modelle
Dampfer
Dreimastschoner
Hafenbarkasse
Kanonenboot
Artilleriefährprahm
Kriegsfischkutter
Schnellboot
Siebelfähre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto des fertigen Modells im Maßstab 1 : 35

Von der Fa. Italeri gibt es ein Plastikmodell des deutschen Schnellboot-Typs S 100 im Maßstab 1 : 35, das sich gut zum Umbau in ein Fahrmodell eignet. Es ist mit rund 1 m Länge einigermaßen handlich, hat einen sehr stabilen (und damit leider auch relativ schweren) Rumpf. Es bietet genügend Platz für Antrieb und Steuerung, doch bleibt wegen des relativ hohen Eigengewichts nicht mehr viel Spielraum bei der Auswahl der Motoren und der Akkus. Zum Erreichen eines naturgetreuen Fahrtbildes darf das Boot nur bis zur Wasserlinie eintauchen. Damit entfielen leider auch alle Möglichkeiten, die Geschütze schwenkbar zu machen. Selbst bei der Verwendung von Lipos können nur Sonderfunktionen eingebaut werden, die wenig Gewicht haben, kräftige Lautsprecher für Motorensound usw. bleiben damit leider außen vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Vorbild

Diese Schnellboote wurden von der Lürssen-Werft in Bremen entwickelt. Dem Modellbaukasten liegt der am weitesten entwickelte Typ zugrunde, dessen Brücke durch eine Panzerkalotte geschützt war. Die Schiffe waren mit drei 20-Zylinder - V-Motoren von je 2500 PS ausgerüstet und erreichten bis zu 42 Knoten. Ihre Länge betrug 35 m, die Wasserverdrängung lag bei 100 t. Die Bewaffnung bestand aus zwei Torpedorohren mit insgesamt 4 Torpedos. Zusätzlich trugen sie drei leichte Fla-Waffen. Standardmäßig waren das die versenkt in der Back eingebaute 2cm Einzellafette, ein 2 cm - Zwilling mittschiffs und eine 3,7 cm im Heckbereich. Auf dem Achterdeck befanden sich zuweilen Ablaufschienen, auf denen bis zu 6 Seeminen untergebracht werden konnten. Einige wenige Boote trugen statt der 3,7 cm einen 2 cm-Flakvierling. Ich habe für mein Modell nach dem Vorbild von S 174 genau diese Bewaffnung gewählt.

Eine schiffsbautechnische Besonderheit gab es bei diesen Booten: Sie nutzten den Lürssen-Effekt. Die Seitenruder konnten etwas nach außen geschwenkt werden, wodurch sie als Stauruder wirkten. Die Heckwelle wurde so weiter nach hinten verlagert, gewissermaßen abgeworfen, wodurch die Höchstgeschwindigkeit um etwa 2 Knoten gesteigert werden konnte. Dazu unten mehr.

Baubeschreibung

Das Modell hat einen sehr genau gearbeiteten Rumpf, dessen Hälften sich problemlos miteinander verkleben lassen. Zusätzlich habe ich die Klebenaht am Kiel mit M2-Schrauben gesichert und von innen mit Zweikomponentenkleber vergossen. Es sind vier Querversteifungen vorhanden, die zugleich als Decksauflage dienen. Das Deck besteht aus drei Teilen, der Back, der Brücke und dem Hauptdeck, die mit dem Rumpf verklebt und mit im Bausatz enthaltenen Schrauben befestigt werden sollen. Abweichend davon habe ich nur die Brücke fest eingeklebt. Um Zugang zu den Einbauten zu ermöglichen, sind die beiden anderen Teile des Decks nur mit Schrauben befestigt. Ursprünglich hatte ich das lange Hauptdeck geteilt, was sich aber später als unpraktisch erwies; ich habe die Teile wieder fest miteinander verbunden.

       

Achterschiff mit den abgenommenen                                      Brücke                                  Propellerwellen und neue Ruder aus Messingblech

Decksabschnitten

Beim Original laufen die Propellerwellen außerhalb des Rumpfes frei im Wasser. Das letzte Lager der mittleren Welle befand sich allerdings erst hinter dem Propeller, was beim Modell aber einen komplizierten Umbau der Propellernabe erfordert. Um Vibrationen dieser Welle zu vermeiden, habe ich doch ein langes, bis zum Propeller reichendes Stevenrohr verwendet. Bei den Seitenwellen reichen die Stevenrohre tatsächlich nur bis zum Ende der Wellenhosen, beide Wellen haben deshalb noch ein drittes Lager in den Wellenböcken bekommen. Die Wellenhosen selbst konnte ich aufbohren und so weit ausfräsen, dass ein 6 mm - Stevenrohr hinein passt. Vom eigentlichen Material blieb dabei stellenweise nur noch ein halber Millimeter erhalten. Solange man das Teil nicht zerdrückt, schadet das nicht, weil die verbleibenden Hohlräume nach dem Ausrichten von Motoren und Wellen sowieso mit Kunstharz verfüllt wurden. Die Wellenböcke aus dem Bausatz haben den auftretenden Kräften allerdings nicht lange standgehalten, deshalb habe ich sie nach den ersten Testfahrten durch neue aus Messingprofilen ersetzt. Da mir die Plastik-Ruder aus dem Bausatz auch nicht sehr stabil erschienen, habe ich neue aus Messingblech angefertigt.

 

 

 

                              

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einige Überlegungen zum Detaillierungsgrad

Da das Modell als Standmodell konzipiert ist, zeichnet es sich natürlich durch einen sehr hohen Detaillierungsgrad aus. Panzerblenden, Trittstufen, Halter für Stahlhelme und viele weitere Teile sind sogar als Messingätzteile vorhanden. Man sollte sich aber gut überlegen, ob man bei einem Fahrmodell wirklich alle vorgesehenen Kleinteile einbaut. Der Grund für diese Überlegung liegt auf der Hand, besser gesagt, im Auge des Betrachters: Man sieht solche Feinheiten ab wenigen Metern Abstand nicht mehr und die empfindlichen Kunststoffteile brechen einfach zu leicht ab. Außerdem werden manche Bauteile später von anderen verdeckt; wozu sollte ich z.B. bei diesem Modell einen Steuerkompass einbauen, wenn er hinterher unter der Panzerkalotte verschwindet.

Aus eigener Erfahrungen kann ich außerdem dringend dazu raten, einige der sehr filigranen Kunststoffteile durch stabileres Material zu ersetzen. Die Abweisergestänge für die Flaks und die hauchdünnen Antennenstützen sehen aus der Nähe ja unheimlich echt aus, brechen aber beim leisesten Anstoßen ab. Außerdem verbiegen sie sich, wenn Zug durch die Antennen darauf kommt. Weglassen wollte ich sie aber auch nicht, also habe ich sie durch Messingdrähte ersetzt.

Die Antennen - natürlich wieder aus Gummi-Nähgarn - sind vorn im Abweiserring des Buggeschützes mit feinen Häkchen befestigt, führen über die Stützen an der Brücke zum Abweiser vor dem Flakzwilling. Die Stabantenne habe ich, nachdem sie mir zwei Mal abgebrochen war, in liegender Position angeklebt. Die Besatzung stammt aus dem Figurensatz von Italeri, aus dem ich allerdings nur einen Teil verwendet habe.

Die Reling macht bei einem Standmodell wirklich einen tollen Eindruck, im Fahrbetrieb sieht das dann aber ganz anders aus. Einmal etwas fester zugegriffen und es gibt Stücke, Nach und nach brach mir so etwa ein Drittel der Stützen weg. Zudem stimmte meine ursprüngliche Unterteilung des Hauptdecks nicht mit dem Übergang von der festen Reling zum Abschnitt mit den Durchzügen überein.

Gut - das Problem hatte ich selbst verursacht und es hat sich nach dem Verbinden der beiden Hauptdeckteile dann von selbst erledigt. Trotzdem habe ich die Originalreling beibehalten, ich fasse das Modell in dem Bereich aber jetzt nur noch sehr vorsichtig an.

Auf die im Bausatz vorhandenen Minenschienen  hatte ich anfangs vier Ankertauminen gesetzt. Beim Transport im Auto wurden die relativ weit überstehenden Enden der Schienen häufig beschädigt. Als dann eine Reparatur nicht mehr möglich war, habe ich sie mitsamt den Minen entfernt und durch zwei, nach einem Foto im Web selbst konstruierte Ablaufgestelle für Wasserbomben ersetzt.

Die abgebauten Minenschienen hinterließen noch einige Spuren auf dem Deck, die ich demnächst beseitigen werde.

                                                                 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fahrtaufnahmen (noch mit Minen)

 

Die Mündungsklappen der Torpedorohre sind geöffnet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einbau beweglicher Torpedorohrklappen

Die verdeckt unter der Back liegenden Torpedorohre sind wohl das auffälligste Merkmal dieser Bootsklasse. Mir war von Anfang an klar: Wenn sonst keine umfangreicheren Sonderfunktionen möglich waren, deren Mündungsklappen mussten unbedingt per Fernsteuerung zu bewegen sein.

Dazu habe ich die Originalscharniere durch ein Stück Messingrohr verstärkt, das mit einem Gewindestift in der Bordwand befestigt wurde. Die Drehachse aus stärkerem Messingdraht ragt nach unten in den Rumpf und ist dort als Stellhebel abgewinkelt. Eine kleine Öse am Ende nimmt die die Steuerstange auf. Das Gestänge darf sich auf keinen Fall verkanten, damit der Drehwinkel beider Klappen immer gleich ist.

Die Konstruktion kommt mit wenigen Bauteilen aus. Sie liegt auf zwei Querträgern, die fest mit dem Rumpf verklebt sind. Zwei dünne Messingrohre gleiten in zwei dickeren. An einem Ende ist ein Messingstreifen quer über die dünnen Rohre gelötet. An ihm setzen die beiden Schubstangen für die Klappen und die Verbindungsstange zum Servo (im Foto verdeckt; grüner Pfeil) an.

Kontrolliert man beim Bau nicht, ob die Rohre dieser Parallelführung auch wirklich parallel sind, klemmt's hinterher gewaltig. Die Justierung der Steuerstangen ist aus Gewichtsgründen sehr einfach ausgefallen: Eine der beiden ist V-förmig geknickt. Werden hier die Winkel vergrößert oder verkleinert, ändert sich deren Gesamtlänge. Die genaue Einstellung  erfolgt am Sender über den Servoweg anhand der nicht geknickten Stange. Erst danach kann mit der Knick-Methode die zweite Stange nachgestellt werden.

Die relativ große Länge und die leichte Biegung beider Drähte ist beabsichtigt, damit sie federnd nachgeben können. So kann man erreichen, dass die Mündungsklappen einerseits dicht schließen, im geöffneten Zustand aber fest an der Bordwand anliegen.

Zwei der im Bausatz enthaltenen Torpedos stecken in den Rohren, die anderen beiden liegen in den Halterungen auf Deck zum Nachladen bereit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bemerkungen zum Lürssen-Effekt

Der zu Beginn erwähnte Lürssen-Effekt funktioniert beim Modell und den entsprechend geringeren Geschwindigkeiten anscheinend nicht. Zumindest konnte ich bei verschiedenen Tests keine erkennbare Fahrtzunahme oder Änderungen an der Heckwelle feststellen. Da die zusätzlichen Einbauten doch einiges Gewicht auf die Waage brachten, habe ich sie selbstverständlich entfernt. Das Ruderservo ist geblieben und bewegt nun alle drei Ruder.

 

 

 

 
Der graue Pfeil gibt die Verschiebung an Ein ziemlicher Aufwand - letztendlich war es aber nur eine Art 'geistige Fingerübung'